Geburtsplan erstellen: 5 Bereiche + kostenlose Vorlage
Einen Geburtsplan erstellen – aber wo fängst du an? Du weißt nicht genau, wie deine Geburt verlaufen wird. Niemand weiß das. Aber du weißt, was dir wichtig ist – ob gedämmtes Licht, die Hand deines Partners, Haut-zu-Haut sofort nach der Geburt oder die Möglichkeit, dich frei zu bewegen.
Genau dafür ist ein Geburtsplan da. Er ist kein Vertrag und keine Garantie – sondern deine Stimme, wenn du mitten in den Wehen vielleicht keine Kraft mehr hast, alles zu erklären. Hebammen und Ärzte sehen auf einen Blick, was dir wichtig ist. Das entlastet dich, deinen Partner – und oft auch das Klinikteam.
In diesem Artikel erfährst du, was in einen Geburtsplan reingehört, wie du ihn richtig formulierst – und du kannst dir unsere fertige Vorlage kostenlos herunterladen.
Wann solltest du den Geburtsplan erstellen?
Der ideale Zeitpunkt ist SSW 34–36. Zu diesem Zeitpunkt hast du schon viele Vorsorgeuntersuchungen hinter dir, kennst deine Wünsche besser – und hast noch genüg Zeit, den Plan mit deiner Hebamme zu besprechen, bevor es losgeht.
Warte nicht bis kurz vor dem Termin. Erstens weil du dann andere Dinge im Kopf hast, zweitens weil manche Wünsche (zum Beispiel zur Wassergeburt oder zur Anwesenheit von Studierenden) von der Klinik abhängen – und die solltest du vorher abklären.
Geburtsplan erstellen: Die 5 wichtigsten Bereiche
1. Rahmenbedingungen & Begleitung
Hier hältst du fest, wer bei der Geburt dabei sein soll und wie du dir die Atmosphäre vorstellst:
- Ist es deine erste Geburt oder hast du schon Erfahrungen?
- Wer ist deine Begleitperson – Partner, Freundin, Doula?
- Möchtest du Musik, gedämmtes Licht oder lieber Ruhe?
- Dürfen Studierende dabei sein?
- Was ist mit Fotos oder Videos während der Geburt?
- Gibt es religiöse oder kulturelle Besonderheiten, die das Team wissen sollte?
2. Schmerzlinderung & Bewegung
Das ist für viele der wichtigste Abschnitt. Du musst dich vorab für nichts festlegen – aber du kannst festhalten, was du dir wünschst:
- Möchtest du eine PDA (Periduralanästhesie)?
- Interessiert dich Lachgas?
- Wärme, Wasser oder Atemtechniken als Alternative?
- Wie wichtig ist dir Bewegungsfreiheit unter der Geburt?
- Wie gehst du mit wehenfördernden Mitteln um – nur im Notfall, oder ok wenn nötig?
- Wäre eine Wassergeburt oder zumindest eine Wanne zur Entspannung eine Option?
3. Geburt & erstes Bonding
In diesem Abschnitt geht es um den Moment der Geburt selbst – und die ersten Minuten danach:
- Hast du eine Wunsch-Geburtsposition (aufrecht, Vierfüßler, auf der Seite) – oder bist du offen?
- Dammschnitt: Möchtest du vorher kurz informiert werden, oder vertraust du der Einschätzung des Teams?
- Wer fängt das Baby auf – Hebamme, Partner oder egal?
- Haut-zu-Haut sofort nach der Geburt – wie wichtig ist dir das?
- Wer schneidet die Nabelschnur? Soll sie auspulsieren?
4. Nach der Geburt & Wochenbett
Die Zeit direkt nach der Geburt wird oft unterschätzt – dabei sind hier viele wichtige Entscheidungen möglich:
- Soll die Plazenta natürlich abgehen oder mit Unterstützung (Spritze)?
- Möchtest du bei den ersten Untersuchungen des Babys dabei sein?
- Stillen, Flasche oder beides möglich?
- Zufüttern: nur wenn medizinisch nötig, oder ok wenn nötig?
- Fotos direkt nach der Geburt?
5. Besondere Wünsche & Notizen
Hier ist Platz für alles, was in keine Kategorie passt: ein bestimmtes Lied, ein wichtiges Ritual, eine Allergie, eine schlechte Erfahrung bei einer früheren Geburt, die du nicht wiederholen möchtest.
So formulierst du den Geburtsplan richtig
Drei einfache Regeln, die einen großen Unterschied machen:
Positiv formulieren: Statt „Ich will keine PDA“ lieber „Ich möchte die Geburt wenn möglich ohne PDA erleben“. Dasselbe Anliegen – aber viel angenehmer für alle.
Realistisch bleiben: Ein Geburtsplan mit 30 Wünschen auf 3 Seiten wird kaum jemand lesen. Halte ihn auf einer Seite, fokussiert auf das wirklich Wichtige.
Mit der Klinik vorab klären: Nicht jede Klinik hat eine Geburtswanne. Nicht jede Klinik erlaubt Fotos im Kreißsaal. Was dir wichtig ist, fragst du am besten bei einem Vorgespräch in der Klinik – idealerweise ab SSW 34.
Geburtsplan vs. Realität – ein ehrlicher Abschnitt
Geburten verlaufen selten so, wie man sie sich vorstellt. Das ist keine schlechte Nachricht – es ist einfach die Wahrheit.
Wenn du eine PDA wolltest und dann keine Zeit mehr dafür war: Das ist kein Scheitern. Wenn du Haut-zu-Haut wolltest und das Baby kam auf die Intensivstation: Das ist kein Versagen. Dein Geburtsplan ist ein Leitfaden – kein Versprechen und kein Maßstab.
Was zählt: dass du und dein Baby gesund sind. Alles andere ist Bonus.
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Häufige Fragen zum Geburtsplan erstellen
Muss ich einen Geburtsplan haben?
Nein, kein Muss. Aber er hilft dir, deine eigenen Wünsche zu klären – und dem Klinikteam, dich besser zu unterstützen. Die meisten Hebammen freuen sich über einen gut durchdachten Plan.
Was, wenn die Klinik sich nicht daran hält?
Ein Geburtsplan ist kein rechtlich verbindliches Dokument. Aus medizinischen Gründen kann jederzeit davon abgewichen werden – das hat immer Vorrang. Besprich deinen Plan vorab mit der Klinik.
Wie lang sollte der Geburtsplan sein?
Idealerweise eine Seite. Das Klinikteam hat keine Zeit für mehrseitige Dokumente. Fokussiere dich auf das, was dir wirklich wichtig ist.
Soll ich ihn mit der Hebamme besprechen?
Unbedingt. Deine Hebamme kennt die Klinik, weiß was möglich ist und kann dir helfen, realistische Wünsche zu formulieren. Am besten beim Vorgespräch in SSW 34–36.
Gibt es einen Geburtsplan auch für den Kaiserschnitt?
Ja, auch beim geplanten Kaiserschnitt kannst du Wünsche festhalten: Wer ist dabei, Haut-zu-Haut im OP wenn möglich, wer schneidet die Nabelschnur. Sprich das bei deinem Vorgespräch an.
Wie viele Kopien brauche ich?
Plane mindestens 3–4 Kopien ein: für die Hebamme, die Geburtsstation, die Krankenakte und deinen Partner oder deine Begleitperson.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Geburtsplan idealerweise in SSW 34–36 erstellen
- Mit der Hebamme und der Klinik besprechen
- Maximal eine Seite – fokussiert auf das Wesentliche
- Positiv formulieren: Ich wünsche mir… statt Ich will nicht…
- Mehrere Kopien einpacken – in die Kliniktasche!
- Flexibel bleiben: Der Plan ist ein Leitfaden, kein Vertrag
Weiterlesen
- Kliniktasche packen – die vollständige Checkliste
- Geburtsphasen & Ablauf: Was wirklich bei der Geburt passiert
- Schmerzlinderung unter der Geburt
- Geburtsort wählen: Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt
- Wochenbett vorbereiten: Was du wirklich brauchst
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen oder Unsicherheiten wende dich bitte an deine Hebamme oder Gynäkologin.
